Belohnung vs. Bestechung

Was ist der Unterschied und wie setzt man es im Hundetraining richtig ein?

 

Im Hundetraining ist es wichtig, zwischen Belohnung und Bestechung zu unterscheiden, um den Hund langfristig erfolgreich und motiviert zu trainieren. Beide Begriffe werden häufig verwechselt, doch sie haben sehr unterschiedliche Bedeutungen. In diesem Artikel möchte ich dir helfen, den Unterschied zu verstehen und dir zu zeigen, wie du beide Methoden sinnvoll in deinem Hundetraining einsetzen kannst.

 

1. Belohnung im Hundetraining
Belohnung ist die positive Reaktion, die auf ein bereits gezeigtes Verhalten folgt. Sie dient dazu, das gewünschte Verhalten zu verstärken und den Hund zu motivieren, dieses Verhalten weiterhin zu zeigen. Die Belohnung wird nach dem erfolgreichen Ausführen eines Signals oder Verhaltens gegeben. Sie kann verschieden ausfallen – sei es in Form von Leckerli, Spiel, Lob oder auch durch Umweltbelohnung wie das Erkunden einer spannenden Schnüffelstelle.

 

Die Belohnung sollte stets sofort und gezielt nach dem gezeigten Verhalten erfolgen, um dem Hund klar zu signalisieren, dass er richtig gehandelt hat. Langfristig gesehen sollte der Hund lernen, dass er nicht nur bei einer konkreten Belohnung, sondern vor allem bei guter Leistung immer mit einer positiven Resonanz rechnen kann.

 

Warum Belohnung wichtig ist
Belohnung ist der Schlüssel zu effektivem Training. Sie zeigt dem Hund, dass sich sein Verhalten für ihn lohnt und dass er auf das gewünschte Verhalten eine positive Rückmeldung erhält. Ein gut trainierter Hund zeigt die gelernten Verhaltensweisen auch ohne direkte Belohnung, weil er weiß, dass es sich in der Vergangenheit immer gelohnt hat.

 

Es ist wichtig zu betonen, dass man „selten zu viel belohnen“ kann. Genauso wie ein Mitarbeiter für gute Arbeit bezahlt wird, auch wenn er seine Aufgaben bereits sehr gut beherrscht, ist es auch für den Hund entscheidend, dass er für sein Verhalten anerkannt wird. So bleibt die Motivation und das Vertrauen in den Trainingserfolg aufrechterhalten.

 

2. Bestechung im Hundetraining
Bestechung im Hundetraining beschreibt eine Methode, bei der der Hund zu einem bestimmten Verhalten bewegt wird, indem ihm im Vorfeld ein Leckerli oder eine andere Belohnung gezeigt wird. Dies bedeutet, dass der Hund nicht auf das Signal oder das erlernte Verhalten reagiert, sondern durch das Versprechen einer Belohnung zu einem bestimmten Verhalten „überredet“ wird.

 

Ein typisches Beispiel für Bestechung ist der Rückruf: Du rufst deinen Hund und zeigst ihm sofort ein Leckerli, um ihn dazu zu bringen, zu dir zu kommen. Wenn der Hund dann nicht sofort reagiert, rufst du ein zweites Mal und zeigst noch mehr Leckerlis oder raschelst mit dem Keksbeutel. In diesem Fall wird der Hund durch das Versprechen von Belohnung dazu gebracht, zu reagieren – was eben typisch für Bestechung ist.

 

Bestechung kann anfangs hilfreich sein, um den Hund zu motivieren und Vertrauen in das Training aufzubauen, vor allem in schwierigen oder stressigen Situationen. Doch langfristig gesehen sollte Bestechung nur als kurzfristige Lösung dienen, um das gewünschte Verhalten überhaupt erstmal herzustellen. Sobald der Hund das Verhalten verstanden hat, sollte man auf Belohnung umsteigen, um das Verhalten zu festigen. Aber sobald das Verhalten des Hundes gefestigt ist, sollte auf Belohnung umgestellt werden, um den Hund nicht in eine Verhaltensweise zu bringen, bei der er nur mit einem Keks vor der Nase das Verhalten ausführt.

 

3. Wann ist Bestechung sinnvoll?
Bestechung kann besonders zu Beginn eines Trainings hilfreich sein, wenn der Hund noch nicht weiß, was von ihm erwartet wird. Beispielsweise kann sie helfen, den Hund zu einem gewünschten Verhalten zu motivieren, wenn er noch keine klare Vorstellung davon hat, wie er auf ein Signal reagieren soll. Auch in schwierigen Situationen, wie beim Tierarzt oder in beengten Umgebungen, kann Bestechung als kurzfristige Lösung sinnvoll sein, um den Hund ruhig zu halten oder auf das Verhalten hinzuleiten.

Aber sobald das Verhalten des Hundes gefestigt ist, sollte auf Belohnung umgestellt werden, um den Hund nicht in eine Verhaltensweise zu bringen, bei der er nur mit einem Keks vor der Nase das Verhalten ausführt.

 

4. Warum langfristig keine Bestechung?
Langfristig gesehen sollte man Bestechung vermeiden, weil sie das Vertrauen und die Verlässlichkeit des Hundes im Training beeinträchtigen kann. Der Hund könnte anfangen, nur dann zu reagieren, wenn er ein Leckerli vor der Nase hat, anstatt auf ein Signal zu reagieren, das ihm ein gutes Verhalten vermittelt.

 

Ein gut trainierter Hund wird das gewünschte Verhalten auch dann zuverlässig zeigen, wenn keine Futterbelohnung (sondern nur ein Lob) in Aussicht steht. Bestechung fördert kurzfristige Reaktionen und das Warten auf „die Belohnung“, was langfristig die Motivation und den Trainingserfolg beeinträchtigen kann.

 

5. Der Unterschied zwischen Bestechung und Belohnung im Alltag
Im Alltag wird es oft notwendig sein, das Verhalten des Hundes zu beeinflussen, besonders in schwierigen oder stressigen Situationen. Wenn der Hund ein Verhalten noch nicht sicher beherrscht, kann Bestechung helfen, ihm den Einstieg in das Training zu erleichtern. Sobald das Verhalten jedoch fest verankert ist, sollte man die Belohnung nutzen, um es weiter zu festigen und die Motivation des Hundes zu steigern.

 

Beispielsweise bei jungen Hunden, wie meiner Welpenhündin Fleya (Leonieberger, 4 Monate alt), ist es wichtig, vieles sehr viel zu belohnen. Hier gehe ich mit ihr spazieren und belohne für viele Dinge: ansprechbar sein, an der Leine gehen, „nein“ hören, Rückruf, Freilauf und das Verhalten im Umgang mit anderen Hunden. Fleya bekommt für ihre Leistung zum Teil eine ganze Mahlzeit als Belohnung, um ihr Vertrauen in das Training zu stärken. Bestechung brauche ich dabei nicht wirklich, da ich das Training schrittweise aufbaue. Falls es aber notwendig ist, kann ich zu Beginn auf Bestechung zurückgreifen, um den Hund überhaupt dazu zu bringen, sich zu konzentrieren und mitzumachen.

 

6. Die Bedeutung von Lob und variabler Belohnung
Je weiter der Hund im Training fortschreitet, desto mehr kann man die Belohnung variieren. Sobald ein Hund ein Signal zuverlässig und unter verschiedenen Bedingungen ausführt – zum Beispiel auch in aufregenden Situationen oder in der Nähe anderer Hunde – kann die Belohnung reduziert werden, indem man gelegentlich auf hochwertigeres Lob und ein kurzes Spiel anstatt auf Leckerlis setzt. Dies ist dann eine „Belohnung wie im Casino“ – unregelmäßig und für den Hund spannend, was seine Motivation steigern kann.

 

Wichtig bleibt jedoch, dass Lob niemals weggelassen wird, denn auch ein gut erlerntes Verhalten erfordert eine gewisse Anerkennung. Der Hund zeigt weiterhin das gewünschte Verhalten, weil er das Lob als Belohnung wertschätzt, nicht nur das Leckerli. Das Lob ist für den Hund genauso wichtig wie die Belohnung selbst – und so bleibt das Vertrauen im Training gewahrt.

 

 

Fazit
Der Unterschied zwischen Bestechung und Belohnung im Hundetraining ist entscheidend, um den Hund richtig zu motivieren und ein langfristiges, zuverlässiges Verhalten zu fördern. Bestechung ist eine kurzfristige Lösung, um den Hund zu einem Verhalten zu motivieren, während Belohnung darauf abzielt, das Verhalten nachhaltig zu festigen. Langfristig sollte Bestechung reduziert und durch gezielte Belohnung ersetzt werden, die den Hund auch ohne sofortige Belohnung zum gewünschten Verhalten motiviert. Dabei ist Lob genauso wichtig wie materielle Belohnungen und sollte immer Teil des Trainingsprozesses sein.